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Sachstand Ethik

| Stephan M.,Katharina O.

Einführung:

Wie das therapeutische Klonen in ethischer Hinsicht zu bewerten ist, wird in Politik, Wissenschaft und Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. In der Kritik stehen dabei weniger die medizinischen Ziele einer Therapie mit embryonalen Stammzellen - also die Entwicklung immunverträglicher Transplantate, zu denen das Klonierungsverfahrung benötigt wird -, als vielmehr das Verfahren selbst.

In der Kritik stehen maßgeblich zwei Gründe: Um die Stammzellentherapien erforschen und entwickeln zu können, ist die Vernichtung menschlicher Embryonen erforderlich ("verbrauchende Emrbyonenforschung"). Zudem ist die Erzeugung eines menschlichen Embryos für die angestrebte klinische Anwendung nötig ("Instrumentalisierung").

Es geht also darum, welchen rechtlichen und moralischen Status dem Embryo zum Zeitpunkt der Stammzellenentnahme im Blastozysten - Stadium zukommt. Bei dieser Problematik teilen sich die Meinungen.

Die Befürworter sind der Meinung, dass einem Embryo noch nicht der volle Würdeschutz einer Person zugesprochen werden kann, da er kein Denkvermögen oder Selbstbewusstsein und damit auch keine personalen Eigenschaften hat.

Die Kontrahenten gehen davon aus, dass der Embryo zu jedem Zeitpunkt seiner Entwicklung genauso wie ein vollständig entwickelter Mensch zu behandeln sei. Unterstützt wird ihre These z.B. durch die Potentialität, die aussagt, dass der Embryo die Möglichkeit hat, ein voll entwickelter Mensch zu werden. Ein weiteres Argument  ist, dass menschliches Leben als ein fließender, sich stetig verändernder Gesamtzusammenhang anzusehen ist (Kontinuität). Darüber hinaus stützen sich die Gegner des Therapeutischen Klonens auf das "Dammbruch - Argument".


Das Dammbruch - Argument:

Kritiker fragen sich, ob - wenn das Therapeutische Klonen erfolgreich angewendet wird - die Wissenschaftler einen weiteren Schritt in der Forschung gehen. Dies könnte langfristig dazu führen, dass auch das reproduktive Klonen, also die Erzeugung lebensfähiger Menschen auf nicht - natürlichem Wege (im Gegensatz zur Befruchtung) zu einem akzeptierten Verfahren werden könnte. Sie denken, dass durch die Legalisierung einer speziellen Form des Klonens die Hemmschwelle sinken könnte und das Klonierungsverfahren auch zu Zwecken der Reproduktion von Menschen eingesetzt werden könnte. Die aktuelle weltweite Ablehnung des reproduktiven Klonens könnte wie ein Damm brechen. Deshalb bezeichnet man dieses Argument als das Dammbruch - Argument.


Alternativen zu embryonalen Stammzellen:

Bei der Beurteilung ob das therapeutische Klonen ethisch unbedenklich ist spielen noch andere Faktoren eine große Rolle. Zudem sind die Erfolgsaussichten eventueller Therapien zur Zeit noch nicht gewährleistet. Es gilt zu bedenken, wie die Erfolgsaussichten zum aktuellen Stand der Forschung wirklich sind und ob es Alternativen gibt. Wissenschaftler planen aktuell die Gewinnung von Stammzellen aus Nabelschnurblut, sowie die Produktion adulter Stammzellen aus dem Knochenmark erwachsener Menschen.


Allgemeine Interessen und Meinungen der Gesellschaft:

Man kann in der Debatte um das "Therapeutische Klonen" die Positionen der Betoffenen in vier Hauptgruppen unterteilen: Forschung, Patienten, Kirche und Wirtschaft.
Die Forschung ist besonders daran interessiert, dass ihre Freiheit gewahrt bleibt. Sie berufen sich dabei auf die im Grundgesetz verankerte Forschungsfreiheit. Ärzte sind darüber hinaus durch ihren Berufsstand (Hipokratischen Eid) zusätzlich dem Wohl des Patienten verpflichtet,
Die Patienten mit denjenigen Krankheiten, bei denen Stammzell - Transplantationen Aussicht auf Heilung versprechen, beurteilen unter ganz anderen Vorraussetzungen die ethische Vertretbarkeit des Verfahrens.

Kirchenvertreter haben aufgrund ihrer Glaubensgrundsätze oftmals sehr klare Positionen zu den Verfahren und Möglichkeiten der medizinischen Forschung. Im Mittelpunk steht hierbei immer wieder die Frage, wie mit menschlichem Leben als göttliche Schöpfung umzugehen ist.

Die Wirtschaftlichen Interessen sind oftmals ein nicht unwesentlicher Faktor in der bioethischen Debatte, da die Vermarktung künftiger Therapieangebote und Verfahren in vielen Fällen eine große Einnahmequelle verspricht.


Allgemeine Interessen und Meinungen der Philosophen:


Peter Singer, Philosoph spricht sich für das therapeutische Klonen aus. Laut seiner Definition, zeichnet einen Menschen Rationalität, Selbstbewusstsein sowie den Sinn für die Zukunft und Vergangenheit aus. Da ein Embryo diese Eigenschaften nicht besitzt, kann er nicht mit einem Menschen gleich gesetzt werden. Es gibt also weniger Gründe gegen das Töten von Babys als gegen das Töten von Schimpansen.  

Der Philosoph Spaemann stellt sich klar gegen das therapeutische Klonen, da in seinen Augen menschliche Embryonen getötet werden. Außerdem wäre dies ein Verstoß gegen die Menschenwürde. Seiner Ansicht nach sind die Therapieprognosen reine Spekulation.

Christine Kolbe sagt
01.06.2006 | 12:28 Uhr

Ein sehr differenzierter Artikel und sehr schön formuliert! Bei der schwierigen Materie 'Ethik' eine Herausfoderung.. Vielelicht schauen Sie sich noch mal die Formatiewrungen an - die Schriftgrößen variieren. Gutes Gelingen weiterhin!

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