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Votum

Autor: Schüler der EF

Am Ende der Projektwoche sind die Diskursteilnehmer der vier Gruppen nicht zu einem einheitlichen Votum gelangt. Teilweise grundlegend verschiedene Postionen ließen sich nicht auf einen "gemeinsamen Nenner" reduzieren, so dass im Folgenden nur zwei der insgesamt sieben Voten veröffentlicht sind:

VOTUM 1

Bei embryonalen Stammzellen handelt es sich um omnipotente Zellen,  das heißt, sie haben die Fähigkeit, sich in diverse Zelltypen zu wandeln.

Diese werden aus dem Frühstadium eines Embryos gewonnen.

Die embryonale Stammzellenforschung zielt hierbei vor allem auf die Behandlung von Krankheiten wie z.B. Parkinson, das Ersetzen von Geweben und Organen, die Grundlagenforschung sowie das Ausführen von klinischen Studien.

Die Gesetzeslage zur embryonalen Stammzellforschung sieht momentan folgendermaßen aus:

Die Erzeugung zu einem fremden Zweck (außer um eine Schwangerschaft herbeizuführen) und das Klonen sind verboten.

Bis jetzt gibt es noch ein Verbot für therapeutisches Klonen; dies wird aber noch unter Rechtsexperten diskutiert.

Die Frage nach der Schutzwürdigkeit der menschlichen Embryos ist sehr umstritten. Unserer Meinung nach beginnt das menschliche Leben nach der 2. Schwangerschaftswoche, da erst ab diesem Zeitpunkt Zelldifferenzierung stattfindet, und sich die Anlagen menschlicher Bausteine wie Skelett, Organe und Nervenzellen bilden. Somit denken wir, dass es erlaubt werden sollte, vorher mit den Embryonen zu forschen.

Unser Beschluss begründet sich auf folgende Kriterien:

-        Nutzen für die Menschheit

-        Achtung der Menschenwürde

-        Fortschritte in der Wissenschaft und Forschung

-        Ethische Grundsätze

Anfänglich könnte man als negativ empfinden, dass die Embryonen schutzlos sind. Jedoch waren die in der Forschung genutzten Embryonen nie für die Entwicklung des Menschen gedacht, da sie nur überzählige Embryonen sind. Somit hätten sie auch vor ihrer Nutzung in der Stammzellenforschung keine Würde besessen, die sie in irgendeiner Weise geschützt hätten.

Allerdings sollte sich der Mensch nicht anmaßen eine Grenze zu setzen, ab wann dieser Zellhaufen als Mensch gilt, da dies sehr willkürlich wäre. Jedoch sind wir der Meinung, dass der Embryo vor der 2. Woche nicht als Mensch gelten kann, da er sich noch nicht in der Gebärmutter eingenistet hat.

Auch könnte die hohe Wahrscheinlichkeit des Missbrauches dieser Techniken in der Stammzellenforschung gegen diese sprechen, jedoch entkräften verschärfte Kontrollen der Wissenschaftler und Labore schon in jetziger Zeit diesen Kritikpunkt massiv.

Ein Argument, das ebenfalls gegen die embryonale Stammzellenforschung spricht, ist in der Religion begründet. Beispielsweise erkennt das Christentum ein Embryo als Mensch an, da das Leben bereits mit der Befruchtung beginnt. Trotzdem ist das Christentum mit dieser Einstellung eine Ausnahme, so beginnt laut dem Judentum das Leben erst am 40. Tag der Schwangerschaft. Auch der Islam bezieht sich auf diese 40 Tage, nachdem dem Embryo sozusagen eine Seele „eingehaucht“ wird. Die embryonale Stammzellenforschung findet somit in einem Großteil der Religion Zuspruch bzw. Akzeptanz.

Auch bedeutet die Nutzung der natürlichen Befruchtung den Tod eines Embryos, jedoch nulliert sich dieser Tod wieder mit den vielen Menschenleben, die durch diesen Tod gerettet werden könnten. Diese negative Folge löst eine viel größere positive Chance im Sinne von Heilungschancen und medizinischen Fortschritt aus.

Außerdem ist der Eingriff in die Natur ein Argument, das gegen die he-SF spricht. Gegner berufen sich auf die nicht vorhandene Erfolgsgarantie. Jedoch muss die Forschung im Bereich der embryonalen Stammzellenforschung Fortschritte machen, um Erfahrungen zu sammeln. Zudem besteht keine Alternative, die embryonale Stammzellen ersetzen könnte, da z.B. die Vielfalt adulter Stammzellen begrenzt ist und nur embryonale Stammzellen diese Vielfalt bieten.

Das Kriterium des Wirtschaftsnutzens und des sozialen Nutzens wird durch die Forschung unterstützt.

Schwierigkeiten gab es im Bezug auf die ethischen Grundsätze. Jedoch haben wir festgestellt, dass die Stammzellenforschung nicht global ethisch abgelehnt ist.

Die Forschung schreitet fort, was ebenfalls die Stammzellenforschung unterstützt.

Zu dem Kriterium der Menschenwürde haben wir beschlossen, dass diese eingehalten und geachtet wird.

Das für uns wichtigste Kriterium ist der Nutzen für die Menschheit. Demnach gewichten wir das zuletzt genannte Argument -der Möglichkeit des Menschenrettens- am stärksten und halten es für am überzeugensten.

Die für uns wichtigsten Kriterien werden durch die Stammzellenforschung erfüllt und somit wollen wir diese unterstützen.

Schlussendlich schlagen wir folgende Gesetzgebung vor:
Therapeutisches Klonen würden wir mit einigen leichten Einschränkungen erlauben, reproduktives Klonen jedoch strengstens verbieten. Desweiteren würden wir klinische Studien erlauben.

Die Organ- und Zellersatztherapie würden wir ebenfalls erlauben. Trotzdem muss geklärt werden, wer die aufkommenden Kosten hierfür übernimmt. Wir schlagen vor, dies mit Absprache der Krankenkassen zu tun.

Hierbei lassen wir zu Forschung nur überzählige und importierte Embryonen zu. Dabei ist es uns wichtig, dass die Eltern vorher der Forschung zustimmen und ihre Embryonen freigeben.

Auch halten wir es für sinnvoll, so viel wie möglich die Forschung an adulten Stammzellen zu unterstützen und voran zu treiben.

 

VOTUM 2

Sehr geehrte Bundestagsabgeordnete,

wir, die Schüler der EF des Fürstenberg-Gymnasiums in Recke, haben uns im Rahmen eines Bioprojektes eine Woche lang mit der embryonalen Stammzellenforschung beschäftigt. Dabei haben wir sowohl die biologischen Grundlagen als auch die ethischen Probleme erarbeitet. Nun möchten wir Ihnen mit diesem Schreiben unser Ergebnis mitteilen.

Bei der humanen embryonalen Stammzellenforschung entnimmt man Stammzellen aus der Blastozyste, einem Vorstadium des Embryos. Diese Zellen teilen sich uneingeschränkt und sie können sich in jede beliebige Körperzelle entwickeln. Adulte Stammzellen hingegen werden dem erwachsenen Menschen entnommen, diese jedoch können sich im Gegensatz zu den embryonalen Stammzellen nicht in jede Körperzelle differenzieren.

Es können überzählige Embryonen aus der in-vitro Fertilisation genutzt werden. Sie können aber auch extra für die Forschung mithilfe von therapeutischem Klonen erzeugt werden.

Unter therapeutischem Klonen versteht man die Entnahme einer Körperzelle eines Patienten, dieser Zelle wird der Kern mit den Erbinformationen entfernt um diesen in eine entkernte Eizelle einzuspritzen. Daraufhin entwickelt sich die Eizelle zur Blastozyste, die darin enthaltenen Stammzellen werden kultiviert und mithilfe von Wachstumsfaktoren spezialisiert. Das entstandene Gewebe kann nun dem Patienten implantiert werden.

Unserer Meinung nach gilt der Embryo ab dem 14. Tag als schützenswerter Mensch, da sich ab diesem Zeitpunkt das Nervensystem und die damit verbundene Wahrnehmung entwickelt. Davor gilt er als werdender Mensch und darf daher für die Forschung freigegeben werden.

Aufgrund der jetzigen Gesetzeslage gilt der Embryo bereits ab der Befruchtung als Mensch und darf deshalb nicht für Forschungszwecke genutzt werden, sondern nur zur Herbeiführung einer Schwangerschaft dienen. Es darf allerdings an Stammzellen geforscht werden, die vor dem Stichtag (1.Mai 2007) im Ausland produziert wurden. Therapeutisches sowie Reproduktives Klonen sind in Deutschland komplett untersagt.

Da die Stammzelleforschung sehr umstritten ist, gibt es sowohl Argumente, die für diese Forschung sprechen, als auch Argumente dagegen.

Dabei gibt es einige Kriterien zu beachten. Zunächst einmal müssen Kosten beachtet, die für die Forschung benötigt würden.

Auch gibt es einige ethische Probleme, die im weiteren Verlauf des  Textes erläutert werden.

Hinzu kommen der Nutzen für die Forschung, der technische Fortschritt und die damit verbundenen Chancen auf Heilung von Kranken.

Nicht zuletzt sollten auch alternative Möglichkeiten berücksichtigt werden.

Laut dem deutschten Embryonenschutzgesetz gilt der Embryo ab der Befruchtung der Eizelle als schützenswerter Mensch.

Somit würde die humane embryonale Stammzellenforschung als Tötung des Menschen gelten.

Auch kommt der Verstoß gegen das Grundgesetz hinzu, welches besagt, dass jeder Mensch ein Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit hat.

Ein weiteres Argument gegen die Forschung an embryonalen Stammzellen ist, dass der Erfolg der Forschung nicht garantiert ist.

Aus jetziger Sicht könnte es in Zukunft möglich sein, Menschen zu klonen. Dies könnte zu Missbrauch der Forschung führen.

Außerdem würde die Forschung an embryonalen Stammzellen Umsummen an Förderungsgeldern verschlingen.

Auf der anderen Seite gibt es auch viele Argumente, die für diese Forschung sprechen.

Wie schon erwähnt ist die Blastozyste eigentlich nur ein Zellhaufen und noch kein Mensch. Dadurch liegt bei der embryonalen Stammzellenforschung keine Tötung vor.

Außerdem würden die Stammzellen für immer konserviert bleiben und keinen weiteren Nutzen haben.

Zur heutigen Zeit ist Deutschland ein Land, welches aufgrund der starken Einschränkungen im Bereich der Stammzellenforschung nicht am internationalen Wettbewerb teilhaben kann.

Das wichtigste Argument sind jedoch die medizinischen Möglichkeiten, die ohne diese Forschung nicht vorhanden wären.

Zunächst einmal gäbe es durch das therapeutische Klonen eine geringere Abhängigkeit von Spenderorganen.

Des Weiteren könnten Medikamententests an Stammzellen durchgeführt werden und somit könnte die Anzahl an Tierversuchen deutlich gesenkt werden.

Wenn in Deutschland die Forschung weiter geführt würde, besteht die Chance, dass bis dato unheilbare Krankheiten wie Parkinson oder Demenz geheilt werden.

Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass die Gesetzeslage in Deutschland, was die embryonale Stammzellenforschung betrifft, nocheinmal überdacht werden sollte.
Unserer Meinung nach sollte die Freigabe von überzähligen Embryonen aus der künstlichen Befruchtung mit Einverständnis der Eltern erlaubt werden. Außerdem denken wir, dass therapeutisches Klonen für medizinische Zwecke erlaubt werden sollte, damit mehr Forschungsmöglichkeiten für die Medizin geschaffen werden und die Abstoßungsreaktionen minimiert werden und die Erfolgsquote erhöht werden kann. Reproduktives Klonen sollte jedoch weiterhin untersagt werden, da dies ethisch unvertretbar ist. Die gesamte Forschung muss unter der Kontrolle der Ethikkommission bleiben, damit Missbrauch vermieden wird.

Mit diesen Regelungen können große Fortschritte erzielt werden und mit der Ethik vereinbart werden.

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie unser Votum beachten und bei der Gesetzgebung mit einbeziehen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.


Dieses Votum wurde veröffentlicht durch:

Fürstenberg-Gymnasium
Brookweg 7
49509 Recke

Telefon: 054533046
E-Mail: leigers@arcor.de

Der / die / das Fürstenberg-Gymnasium wird vertreten durch Johannes Leigers. Die redaktionelle Verantwortung für diese Seite trägt Johannes Leigers.