Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Benutzerspezifische Werkzeuge
Sektionen
Sie sind hier: Startseite / Projektzeitungen / I*peb_Frechen

Votum der Diskursgruppe

Autor: Diskursgruppe


Einleitung

Das nun folgende Votum zur Leitfrage "Welche Regelungen zum therapeutischen Klonen empfehlen Sie für Deutschland?" wurde von  13 Schülern des Gymnasiums der Stadt Frechen in einer Projektwoche erarbeitet. Bei den Endabstimmung waren jedoch nur 11 Schüler anwesend. Zum jetzigen Zeitpunkt ist in Deutschland das therapeutische Klonen verboten. Beim therapeutischen Klonen werden körpereigene Ersatzzellen hergestellt.


ETAPPE 1: Der Zellkern z.B. einer Hautzelle des Patienten wird mit einer entkernten Eizelle, welche zuvor gespendet wurde, vereinigt. Dabei wird der Zellkern neu programmiert, so dass die vorige Funktion des Zellkerns gelöscht wird und die embryonale Entwicklung neu gestartet wird.
ETAPPE 2:p In der Petrischale wird dieser Embryo bis  zum Stadium der Blastozyste (Vielzellstadium) herangezüchtet.
ETAPPE 3: Aus der Blastozyste werden Stammzellen entnommen. Aus den Stammzellen können neue Zellen mit den verschiedensten Funktionen (z.B. Herzmuskelzelle) gezüchtet werden, welche dem Patienten transplantiert werden können.Das transplantierte Zellgewebe wird vom Immunsystem des Patienten voraussichtlich nicht abgestoßen, da es körpereigen ist.Ein zentrales Problem beim Verfahren des therapeutischen Klonens ist die Zerstörung der Blastozyste.

Zur Zeit jedoch werden überzählige Embryonen, welche bei künstlichen Befruchtungen übrig geblieben sind, zur Gewinnung von embryonalen Stammzellen verwendet. In Deutschland dürfen embryonale Stammzellen nicht hergestellt und müssen aus anderen Ländern importiert werden.Das zweite zentrale Problem ist die Eizellspende, denn nach jetzigem Stand der Wissenschaft würden unzählige Eizellspenden benötigt.  
Als drittes zentrales Problem kann der Dammbruch zum reproduktiven Klonen, welches nicht wie das therapeutische auf die Gewinnung von Stammzellen abzielt, sondern auf die Erschaffung eines genetisch, identischen Menschen (Klon). Bis zum Stadium der Blastozyste sind beide Verfahren identisch, allerdings würde der Embryo ausgetragen.

Ziele:
Das therapeutische Klonen soll Heilung von bislang unheilbaren Krankheiten ermöglichen, indem Zellen gezüchtet werden, die der Körper selbst regenerieren kann (Parkinson, MS, Diabetes, Herzmuskelschwäche etc.).

Rechtslage:
Obwohl sich unsere (deutsche) Gesetzlage im Falle embryonaler Stammzellen schwer tut, existiert sowohl  ein Embryonenschutz- als auch ein Stammzellgesetz. Da in Deutschland die Herstellung von menschlichen, embryonalen Stammzellen verboten ist, regelt das Stammzellgesetz die bedingte Einfuhr von menschlichen Stammzellen. Das Embryonenschutzgesetz untersagt die Verwendung von Embryos außer zur Herbeiführung einer Schwangerschaft.

Ist der Embryo ein Mensch? - Status des Embryos

Um die Frage beantworten zu können, muss man zunächst klären, aus welcher Sichtweise man diese betrachtet. Hierbei ist zwischen biologischer und ethischer (auf den Würdeschutz bezogen) Sicht zu unterscheiden. Die Meinungen innerhalb unserer Diskursgruppe zu der Frage, ab wann menschliches Leben beginnt, bzw. ab wann ein Mensch ein Mensch ist, unterschieden sich. Bei Berücksichtigung des biologischen Aspektes entschieden sich 10 Personen für einen Beginn menschlichen Lebens ab der Befruchtung der Eizelle bzw. ab dem Kerntransfer. Eine Person war der Ansicht, dass menschliches Leben erst  mit der Ausbildung des Primitivstreifens (ca. 14. Tag) beginnt, da man erst ab diesem Zeitpunkt menschliche Züge erkennen kann.
Aus ethischer Sicht entschieden sich 6 von 11 Personen für einen Würdeschutz des Embryos ab der Ausbildung des Primitivstreifens. Vier Personen legten sich auf den Zeitpunkt der 18. Lebenswoche fest, da der Embryo um diesen Zeitpunkt Schmerzempfinden entwickelt. Nur eine Person war der Meinung, ein Embryo/Mensch habe erst nach der Geburt ein Recht auf Würdeschutz.
Diese unterschiedlichen Positionen resultieren aus verschiedenen Pro- und Contraargumenten und deren Abwägung untereinander.
Eine Haltung in dieser Diskussion war, dass eine Blastocyste  eine bloße Ansammlung von Zellen (=Ding) ist, also kein Wesen mit einem Recht auf Leben. Die Contraseite argumentiert weiter, dass der Embryo über keinerlei  Autonomie verfügt und auf die Mutter/den Mutterleib angewiesen ist, und somit kein Mensch ist. Das Potenzial ein Mensch zu werden ist nicht das Gleiche wie ein Mensch zu sein.
Die Proseite ist jedoch der Ansicht, dass schon allein das Entwicklungspotenzial ein Mensch zu werden Grund genug ist, um den Embryo zu schützen.
Außerdem ist der Mensch im Sinne von Kant Zweck an sich selbst und darf nicht als Instrument benutzt werden. Somit hat er ein Recht auf  Menschenwürde, welches ihm auch nach Artikel 1(1) des Grundgesetzes zugestanden wird.
Die Tatsachen, dass ein Embryo keinen freien Willen, keine Interessen, kein Ich-Bewusstsein, weder ein Bewusstsein für die Zukunft, noch für die Vergangenheit hat, ist für die Vertreter der Contraposition ein wichtiges Argument dafür, einen Embryo einem Menschen nicht gleichzusetzen. Dementsprechend ist einem Embryo keine volle Würde, nur eine abgestufte, zu zusprechen.
Aus der Diskussion um den Status des Embryos geht hervor, dass sich auf Grund der verschiedenen Argumente fünf Diskursmitglieder für eine Freigabe des therapeutischen Klonen aussprachen. Sechs Mitglieder waren gegen eine Freigabe (auf Basis des Argumentes der Statusfrage), da sie einen Widerspruch zwischen Forschung und Würdeschutz sahen.



Pro und Contra

Die Hoffnungen auf Heilungschancen bisher unheilbarer Krankheiten (z.B. Erkrankungen des Nervengewebes) und der voraussichtliche  Fortschritt in der Forschung sind die Hauptargumente für das therapeutische Klonen. Allerdings funktioniert therapeutisches Klonen zur Zeit noch nicht, es wurden jedoch Teilerfolge wie z.B. somatische Zellkerntransfers und die Gewinnung embryonaler Stammzelllinien sowohl aus ‚normalen’ Embryonen als auch aus durch Teilung geklonten Embryonen. Der Erfolg dieser u. U. in Zukunft möglichen Therapien ist noch nicht vollkommen, sondern nur teilweise erwiesen. Zudem würden für eine Therapie (Herstellung einer patientenspezifischen Stammzelllinie) 200 bis 300 Kerntransferembryonen verbraucht, so kann kein vorsichtiger Umgang mit Embryonen bzw. Eizellen gewährleistet werden, welcher von der ganzen Gruppe einstimmig gefordert wurde. In diesem Zusammenhang wäre abzuwägen, ob man Krankheiten um jeden Preis heilen oder sie akzeptieren oder nach ethisch unbedenklicheren Therapiemöglichkeiten forschen sollte.
Die, beim therapeutischen Klonen auftretenden, ethisch-moralischen Probleme lassen sich grob in zwei Bereiche einteilen: Einerseits das Problem der Eizellspende, andererseits das Problem der Embryonenzerstörung.
Lösungen für das Problem der Einzellspende würden die Entwicklung von Eizellen aus embryonalen Stammzellen, die Fusion embryonaler Stammzellen mit Körperzellen (Problem: doppelter Chromosomensatz) oder die Entdeckung der Reprogrammierungsfaktoren, die eine Eizellspende und das Zerstören eines Embryos überflüssig machen würde, darstellen.
Lösungen für das Problem der Embryonenzerstörung würden die Benutzung von Spermatocyten, die ein ähnliches Potential wie embryonale Stammzellen haben (auch die Eizellspende würde man umgehen), die Manipulation der Embryonen, die die Entwicklungsfähigkeit unterdrücken würde und die Beschränkung auf Arbeit mit adulten Stammzellen, darstellen.
In unserer Gruppe sprachen sich drei Teilnehmer für die ausschließliche Verwendung der Alternativen aus, zwei Teilnehmer forderten erst die Alternativen zu nutzen und nur wenn keine andere Möglichkeit bestünde, auf therapeutisches Klonen auszuweichen, die restlichen sechs Teilnehmer plädierten für die gleichzeitige Forschung an therapeutischem Klonen und den Alternativen.

Das Problem der Eizellspende ergibt sich größtenteils aus den Risiken, die die Eizellspenderin eingehen muss. Durch die der Eizellentnahme  vorausgehenden Hormonbehandlungen erwarten Spenderinnen Nebenwirkungen sowohl psychischer (Stimmungsschwankungen, Depressionen), als auch physischer Art (sogar Unfruchtbarkeit). Die Eizellentnahme selbst ist ein operativer Eingriff, der Risiken wie Blutungen und Entzündungen birgt.
Bei einer in-vitro Fertilisation  ergeben sich zwar die gleichen Risiken, allerdings ist das Motiv der Spenderin in diesem Fall ein anderes (Kinderwunsch), dem ein höherer Wert zugeteilt werden könnte. Um die Risiken zu umgehen, könnte man aus bereits vorhandenen embryonalen Stammzellen Eizellen herstellen, aber im Falle einer Spende muss die Freiwilligkeit der Spenderin vorrausgesetzt sein, d.h., dass sie weder unter Druck stehen, noch eine Entlohnung erhalten darf. Sonst bestünde die Gefahr, dass Frauen durch sozialen Druck oder um ihren sozialen Status zu heben (besonders in ärmeren Regionen Gefahr der Ökonomisierung) durch die Eizellspende instrumentalisiert würden.
Die Risiken für die Eizellspenderin sind für die gesamte Zahl der Teilnehmer kein zentrales Argument für ihre Meinungsfindung im Bezug auf therapeutisches Klonen, da die Freiwilligkeit der Spende garantiert sein muss.

Falls das therapeutische Klonen gesetzlich erlaubt oder geduldet werden würde, könnte es zu einem Paradigmenwechsel in der Moral und somit zu einer Art Umschwung in der Gesellschaft kommen, der u.a. eine Neudefinierung des Personen- bzw. Menschenschutzes mit sich bringen könnte.
Im schlimmsten Fall könnte die Hemmschwelle soweit sinken, dass sich eine Akzeptanz des Tötens einstellt und somit das Moralempfinden der Gesellschaft eine Wandlung erfährt. Auch die Idee des hippokratischen Eids, der auch in unserer heutigen Gesellschaft als grundlegend anerkannt wird, würde in einen Interessenkonflikt geraten, der zur Entscheidung zwischen dem Töten von werdendem menschlichem Leben und dem Heilen von Patienten zwingen würde.
Bestenfalls könnte das therapeutische Klonen uns zu einer „besseren Gesellschaft“ ohne Krankheiten verhelfen, in der ein starkes Moralempfinden ausgeprägt ist.
Der Paradigmenwechsel in der Moral, der sich in unserer Gesellschaft vollziehen könnte, löst in der Gruppe viele Sorgen und Fragen aus, die im Blick behalten werden müssen.

Dammbruchargument:
Das Dammbruchargument bezeichnet die Gefahr, dass das therapeutische Klonen dem reproduktiven Klonen die Tür öffnet. Hätte man mit dem therapeutischen Klonen Erfolg, wäre es nur noch ein sehr kleiner Schritt zum reproduktiven Klonen, wobei jedoch die Folgen und die Gewichtung sehr umstritten sind. Jede Generation muss für sich selbst entscheiden, wie sie zu diesem Argument steht und ob sie später die evtl. neu entstandenen Gesetze/Regelungen ändern wollen. Es ist sehr schwer zu sagen ob dem therapeutischem Klonen das reproduktive Klonen folgen wird. Der Großteil unserer Diskursgruppe hält das Dammbruchargument für nicht sehr gewichtig in der Entscheidung für oder gegen das therapeutische Klonen, da es, wie schon erwähnt, sehr umstritten ist und es auch bei einem Beibehalten der momentanen Regelungen zum Missbrauch, also zum reprokutiven Klonen kommen könnte. Drei Mitglieder der Diskursgruppe hielten das Argument jedoch für so gewichtig, dass sie auf Grund dessen das therapeutische Klonen nicht erlauben wollen. Einheitlich haben wir uns allerdings für ein Verbot des reproduktiven Klonens entschieden. Auch sollte es auf jeden Fall eine strenge Überwachung des therapeutischen Klonens geben, die den Missbrauch bzw. das illegale reproduktive Klonen weitestgehend verhindern soll.



Haltung zum therapeutischen Klonen

Drei Mitglieder der Diskursgruppe haben sich komplett gegen das therapeutische Klonen ausgesprochen. Desweiteren wurde abgestimmt, wer positiv zur Erforschung des therap. Klonen und zu späteren Therapien steht. Jeweils sieben Diskursmitglieder stimmten für die Erforschung und spätere Anwendung des therap. Klonens, jeweils vier stimmten dagegen.

Gesetzesvorschläge

Um das therapeutische Klonen in Deutschland verwirklichen zu können, müsste man einige Gesetze ändern oder abschaffen.
Man könnte z.B. die Definition des Embryo bzw. wann er als Mensch gilt und schützenswert ist ändern, was die einfachste Möglichkeit wäre. Würde man dem Embryo erst ab dem 14.Tag Menschlichkeit zusprechen, wäre eine Verwirklichung des therapeutischen Klonens kein Problem mehr.
In dem Zusammenhang könnte man auch die Definition des Menschen, in Art.2 des GG, ändern.
Ein anderer Vorschlag in der Gruppe war, dem Embryo nur einen abgestuften Würdeschutz zukommen zu lassen.Wobei jedoch die Frage bleibt, nach welchen Kriterien und Bedingungen man dies festlegen sollte.
Ein genauso wackliger Vorschlag war, die Embryonen in verschiede Schutzstufen einzustufen, je nachdem zu welchem Zweck man sie verwendet. Dies ist jedoch ethisch auch sehr bedenklich, da man damit einigen Embryonen einen höheren Schutz zuspricht als anderen.
Daran anschließend kam der Vorschlag, eine einheitliche Regelung für den Status des Embryo zu finden. Darauf aufbauend könnte ihm dann je nach seinem Zweck/seiner Bestimmung eine volle oder abgestufte Schutzstatus zugesprochen werden.

Einen Konsens in der Gruppe gab es allerdings bei der Ansicht, dass ein Embryo etwas anderes ist/sein muss als ein erwachsener Mensch. Bei der Auslegung dieses Faktes gab es allerdings einen Disens. Spricht man nun dem Erwachsenen oder dem Embryo den höheren Status zu?
Geht man vom Potentzial aus, hätte der Embyro den höheren Status, da er noch sein ganzes Leben vor sich hat und der erwachsene Mensch schon einen Teil gelebt hat.
Sieht man sich aber die oben erwähnten Gesetzesvorschläge an, hätte der erwachsene Mensch den höheren Status. Deshalb kamen wir in der Gruppe auch nicht auf einen konkreten Gesetzesvorschlag.

Eine Möglichkeit wäre es, wenn man ,ähnlich wie bei der Abtreibung, das therapeutische Klonen nicht erlaubt, sondern lediglich nicht unter Strafe stellt. Wobei man sich hierbei die eventuellen wirtschaftlichen Folgen vor Augen halten sollte.

Diese Vorschläge konnten aus Zeitgründen nicht mehr ausdiskutiert werden.

Würde das therapeutische Klonen erlaubt werden, waren sich alle Diskursmitglieder einig, dass die Eizellspende auf jeden Fall auf freiwilliger Basis erfolgen muss und das dies auch gesetzlich festgelegt werden muss.  
 



Dieses Votum wurde veröffentlicht durch:

Gymansium Frechen
Rotdornweg 43
50226 Frechen

Telefon: 02234 955560
E-Mail: diskurslernen.frechen@gmail.com

Der / die / das Gymansium Frechen wird vertreten durch Susanne Roth. Die redaktionelle Verantwortung für diese Seite trägt Susanne Roth.