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DisPro Gesamtschule

Interview mit Herrn Dr. jur. Rudolf Neidert

| Desiree M. und Olga G.

Dr. jur. Rudolf Neidert

Dr. Neidert erklärt die rechtlichen Grundlagen des therapeutischen Klonens
den SchülerInnen des Projektes

Desiree: Wie heißen sie?

Dr. Neidert: Mein Name ist Doktor Rudolf Neidert. Ich bin Jurist und war früher im Gesundheitministerrium beschäftigt, als Referatsleiter mit Fragen der Reproduktionsmedizin, Fortpflanzungsmedizin, aber auch mit dem Recht der Biomedizin. Ich arbeite für zwei ärztliche Fachgesellschaften.

Desiree: Was ist dort bei den Fachgesellschaften Ihr Arbeitsbereich?

Dr. Neidert: Bei der einen Fachgesellschaft, bei den Gynäkologen, bin ich in einer Arbeitsgruppe, die sich ein Fortpflanzungsmedizingesetz zum Ziel gesetzt haben, und wir haben auch im letzten Jahr bereits einen Gesetzentwurf in einer Pressekonferenz vorgestellt, der seit dem im Raume steht. Ein Gestzesentwurf, der wichtige Weiterentwicklungen im Bereich der Fortpflanzungsmedizin berücksichtigt, also eine Änderung zum Embryonenschutzgesetz wie wir es seit 1990 haben.

Olga: Was genau habe Sie da gemacht?

Dr. Neidert: Ich habe den Gesetzentwurf, selbstverständlich in Abstimmung mit der arbeitsgruppe, geschrieben. Da ich früher genau in dem Sektor gearbeitet habe und schon zu meiner aktiven Zeit im Ministerium mit dem Entwurf eines Gesetzes befasst war, war das nun auch keine so abwägige Aufgabe für mich.

Olga: Hatten sie dort auch mit dem therapeutischem Klonen zu tun?

Dr. Neidert: Mit dem therapeutischem Klonen direkt noch nicht. Aber ich war schon damals in einer kleinen Arbeitsgruppe zwischen Justiz und Gesundheitsministerium, wo wir uns Gedanken machten, ob die Vorschriften in den Embryonenschutzgesetz über das Klonen ausreichen. Die Entwicklung in Schottland, im Jahr 97/98 mit dem Klonschaf Dolly, hat uns gezeigt, dass das Embryonenschutzgesetz so speziell und auf ganz andere Verfahren hin formuliert ist, dass das Neue der Forscher vom Gesetz gar nicht erfasst wurde.

Olga: Wie stehen sie persönlich zum therapeutischem Klonen?

Dr. Neidert: Mittlerweile ist ja die Zeit weit fortgeschritten und die Vorraussagen der Forscher und der Ärzte, was das therapeutische Klonen oder das Forschungsklonen mit therapeutischen Zielen anbetrifft, sind zuversichtlicher geworden. Es bestehen doch sehr ernst zu nehmende therapeutische Aussichten für die Medizin, die man nicht verschenken darf und nutzen muss, wenn man wirklich die Chancen der moderenen Wissenschaft und der Medizin voll ausschöpfen möchte um schwerste Krankheiten zu heilen. Da es nun mal die Aufgabe eines Arztes und eines Forschers ist, immer weiter zu arbeiten an der Beseitigung, Verhinderung oder Linderung von Krankheiten, sollte man tatsächlich das therapeutische Klonen und die Embryonenforschung erlauben, aber durchaus deutliche Grenzen setzen. Das reproduktivem Klonen sollte auch künftig verboten bleiben, schon alleine deshalb weil man die genauen Auswirkungen nicht kennt.

Desiree: Sehen Sie eine alternative Lösung anstelle des therapeutischem Klonen?

Dr. Neidert: Ich meine, Alternativen werden immer wieder diskutiert und von politischen Seiten als erstrebenswert dargestellt - so etwa die Forschung mit den adulten Stammzellen. Allerdings ist das Potenzial dieser adulten Stammzelle nicht vergleichber mit dem was in embryonalen Stammzellen steckt, den sogenannten Alleskönnern. Es ist nach wirklich fundierten Auffasungen, auch aus der deutschen Vorschungsgemeinschaft heraus, notwendig, beides zu machen. Denn nur wenn man diesen ganzen Komplex erforscht, wird man entscheidend weiterkommen können.

Desiree: Wie beurteillen sie dieses Schulprojekt?

Dr. Neidert: Soweit ich es bis heute kennen gelernt habe, finde ich es ganz ausgezeichnet, wenn so schwierige Themen mit Schülern diskutiert werden. Diese Fragen gehören zu den schwierigesten gesellschaftlichsten, ethischen, juristischen und medizinischen Fragen überhaupt. Und hier werden sie mit den Schülern so differenziert wie an einer Hochschule diskutiert. Ich finde das ist ein riesiges Kapital, dass hier grundgelegt wird, und da kann man eigentlich nur allen Beteiligten danken.

Desiree+ Olga: Vielen Dank für das Interview Herr Dr. Neidert.

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