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Interview mit Frau Dr. Tanja Schmandt

| Enza G. und Saskia K.

Interview mit Frau Schmandt

Frau Schmandt

Enza: Wer sind Sie und wo arbeiten Sie?

Frau Schmandt: Mein Name ist Tanja Schmandt. Ich bin Biologin und arbeite am Institut für Rekonstruktive Neurobiologie in Bonn. Wir versuchen, Therapieansätze mit embryonalen Stammzellen zu generieren. Diese bilden wir weiter in Zellen des Nervensystems und hoffen, dass wir daraus Therapieansätze für Erkrankungen des zentralen Nervensystems erhalten.

Enza: Ist das auch ihr Arbeitsbereich?

Frau Schmandt: Ja, das ist auch mein Arbeitsbereich. Ich habe unterschiedliche Projekte laufen; ich arbeite im Moment nur mit mausembryonalen Stammzellen, die wir in Zellen des Nervensystems einfügen. Wenn man sich vorstellt, man möchte drei Zellen für Zellersatztherapien verwenden muss man auch zeigen, dass die Zellen nicht nur transplantiert werden können, sondern, dass sie auch in das Empfängergewebe eingebunden werden. Also, dass sie da nicht nur liegen, sondern auch eine Funktion bekommen. Bei diesem Projekt möchte ich zeigen und habe auch schon zum Teil gezeigt, dass diese Zellen an das Empfängernetzwerk angebunden sind und tatsächlich Kontakt zu den Empfängerzellen aufnehmen.

Das andere Projekt ist ein Krankheitsmodell, das Kinder betrifft. Bei dieser Krankheit ist ein Protein kaputt und es kommt zu einer Speicherung einer bestimmten Substanz, die sehr schädlich ist, wodurch Zellen zugrunde gehen. Wir erhoffen durch die Transplantation unserer Zellen, die Ablagerung dieser Substanz verhindern zu können und damit eine Therapie zu etablieren.

Enza: Also haben Sie da auch direkt mit therapeutischem Klonen zu tun?

Frau Schmandt: Nein, wir arbeiten überhaupt nicht mit therapeutischem Klonen, wir arbeiten nur mit den embryonalen Stammzelllinien, aber wir haben keinen Ansatz wo wir Zellkerne aus spezialisierten Zellen isolieren und dann in eine Eizelle zurückführen. Diesen Ansatz machen wir gar nicht. Nichtsdestotrotz sind wir natürlich mit dieser ethischen Fragestellungen „therapeutisches Klonen“ hautnah konfrontiert, wenn wir Therapieansätze zur Verfügung stellen möchten. Aber an unserem Institut wird kein therapeutisches Klonen durchgeführt.

Saskia: Und wie stehen sie persönlich zum therapeutischen Klonen? Also was halten sie davon?

Frau Schmandt: Ich denke, dass das therapeutische Klonen sehr große Risiken in sich birgt. Deswegen glaube ich auch nicht, dass es wirklich zu einer breiten klinischen Anwendung kommen wird, sondern, dass das therapeutische Klonen zu Forschungszwecken gemacht wird und auch gemacht werden sollte. Die Folge davon ist, dass wir bestimmte Mechanismen verstehen lernen. Genauso intensiv sollte und wird an den Alternativansätzen geforscht werden. Dann wird sich letztendlich zeigen, was die erfolgreichste Methode ist, um die Therapieansätze zu generieren. Also ich denke zu Forschungszwecken wird man um das therapeutische Klonen nicht herumkommen. Ich denke aber nicht, dass es eine breite klinische Anwendung finden wird. Außerdem bin ich dafür, dass die alternativen Ansätze stark erforscht werden.

Enza: Wenn man beim therapeutischen Klonen eine Eizelle mit einem fremden Kern in einer Petrischale züchtet, wie viele bestimmte Zellen, z.B. Herzmuskelzellen, können dann daraus entstehen? Genug um einen Menschen ganz zu heilen?

Frau Schmandt: Das ist der große Vorteil von embryonalen Stammzellen: Sie lassen sich, zumindest in der Theorie, unbegrenzt vermehren, das heißt, wenn man einmal eine Eizelle generiert hat, aus der man dann die embryonalen Stammzellen isoliert, hat man letztendlich genügend Material um den Patienten zu versorgen. Aus diesen Zellen kann man alle Gewebstypen entwickeln, zumindest theoretisch in ausreichender Menge. Man muss immer betrachten, dass Kulturbedingungen sehr künstliche Bedingungen sind; das heißt es schleichen sich auch Erbschäden ein. Deswegen muss man auch immer etwas vorsichtig sein, wenn man sagt „unbegrenzt vermehrbar", aber theoretisch ist es so, dass die embryonale Stammzelle sich immer wieder neu bildet.

Saskia: Jetzt unsere letzte Frage: Wie beurteilen sie dieses Schulprojekt zum Thema therapeutisches Klonen?

Frau Schmandt: Ich denke schon, dass das was bringt. Uns, als Naturwissenschaftlern, ist es natürlich auch immer gelegen, die Gesellschaft möglichst weit aufzuklären. Wir sehen uns sonst immer mit dem Halbwissen konfrontiert, was unserer Sache sehr schädlich sein kann. Wir sind immer froh, wenn wir auch Gelegenheiten haben, dazu Stellung zu nehmen und andere Sichtweisen zu eröffnen, oder auch zu zeigen, dass es in diesem Fall nicht nur das therapeutische Klonen gibt, sondern dass es auch alternative Ansätze gibt, an denen die Forschung tätig ist. Insofern werte ich es sehr hoch, dass sich die Schüler, die letztendlich die Gesellschaft bilden, mit dieser Thematik konfrontiert werden und sich dadurch eine Meinung bilden können.

Enza & Saskia: Ok. Das war’s auch schon. Wir bedanken uns ganz herzlich für dieses Interview.

Frau Schmandt: Gern geschehen.

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