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Interview mit Dr. med. Christiane Woopen

| Charlotte Z. und Viktoria W.

Interview mit Frau Dr. med. Woopen

Interview mit Frau Dr. med. Woopen

Viktoria: Können Sie sich bitte kurz vorstellen? An welchem Institut sind Sie tätig?

Dr. Woopen : Mein Name ist Dr. Christiane Woopen. Ich arbeite am Institut für Geschichte und Ethik der Medizin in Köln, an der medizinischen Fakultät als wissenschaftliche Mitarbeiterin und führe dort mehrere wissenschaftliche Projekte durch. Außerdem lehre ich im Bereich der Ethik der Medizin.

Charlotte: Beschäftigen Sie sich dort auch mit dem therapeutischen Klonen?

Dr. Woopen: Zur Zeit ist das nicht mein Schwerpunkt, nein.

Viktoria: Und was genau machen Sie dort?

Dr. Woopen: Ich mache vor allen Dingen drei wissenschaftliche Projekte. Zum einen geht es auch um ein Diskursprojekt, so ähnlich wie bei Ihnen. Seit einem Jahr haben Jugendliche freiwillig und unabhängig vom schulischen Kontext eine Internetseite aufgebaut, in der sie sich sehr eigenverantwortlich um Recherchen, Beurteilungen, Meinungsbildungen und Öffentlichkeitsarbeit, zu unterschiedlichen Themen der Biotechnologie, engagiert haben. Das zweite Projekt ist eine naturphilosophische und ethische Analyse von Fragen des Umgangs mit dem Keim und den Keimbahnzellen. Da spielt natürlich das Forschungsklonen am ehesten eine Rolle. Ein anderes Projekt handelt von der psychosoziale Beratung während der Pränataldiagnostik. Bei der vorgeburtlicher Diagnostik wird das Ungeborene auf bestimmte Krankheiten und Behinderungen hin untersucht, zum Teil sind sie behandelbar, zum teil nicht. Dann stellt sich die Frage eines Schwangerschaftsabbruches. Bei diesen Entscheidungsprozessen, ob sie die Pränataldiagnostik in Anspruch nehmen , die die Frau oder das Paar zu fällen haben, die zeit des Wartens auf das Ergebnis, wenn es nicht gut läuft, die Mitteilung des krankhaften Befundes und dann die Entscheidungprozesse danach. Diese Leute werden begleitet durch eine psychosoziale Beratung. Unabhängig vom ärztlichen Kontext und mit einer psychosomatischen Gynäkologin, werte ich an drei Modellstandorten, die Bedeutung der psychosozialen Beratung für die Frau in dieser Phase aus.

Charlotte: Wie stehen Sie persönlich zum therapeutischen Klonen?

Dr. Woopen: Ich bin der Auffassung, dass man das Forschungsklonen in Deutschland nicht zu lassen sollte, das hat unterschiedliche Gründe, ich berufe mich dabei aber nicht in erster Linie auf eine Verletzung der Würde der Menschen. Sollte sich allerdings im Laufe der Zeit herausstellen, dass durch bestimmte Abänderung der Methodik, oder auch durch besondere Fortschritte in dem Bereich, schwere Erkrankungen, die anders überhaupt nicht behandelbar wären, heilbar sind, dann bin ich durchaus offen dafür, erneut darüber nach zu denken.

Viktoria: Könnten Sie sich vorstellen, falls Sie erkrankt wären, sich selbst durch das therapeutische Klonen behandeln zu lassen?

Dr. Woopen: Ich persönlich kann mir das nicht vorstellen.

Charlotte: Wie beurteilen Sie persönlich dieses Schulprojekt? Denken Sie das die Schüler zu jung sind?

Dr Woopen: Ich finde dieses Projekt wundervoll. Das ist genau das richtige Alter, um diese Fragen zu stellen und sich diesen Themen zu nähern und zwar aus verschiedenen Gründen. Einmal denke ich, haben Sie ausreichend Voraussetzungen vom Wissen her oder können es sich aneignen. Sie haben die nötige Offenheit. Sie sind noch nicht infiltriert, mit vorgefertigten Meinungen um nur das wahrzunehmen, was Sie wahrnehmen wollen. Sondern es wäre wunderschön, wenn sie offen an diese Themen rangehen. Ich halte es für sehr wichtig, dass man rechtzeitig anfängt, sich zu diesen schwierigen ethischen Problemen sich eine Meinung zu bilden. Auch mit der Maßgabe, sie immer wieder im Laufe des Lebens zu ändern, anzupassen und nicht jetzt eine Meinung für immer zu bilden. Aber überhaupt diesen Zugang dazu zu finden, und zu sehen, das ist etwas, das hat mit mir zu tun. Ich will mir dazu eine Meinung bilden, dass kann ich nicht der Gesellschaft, den Politikern oder den Forschern überlassen. Ich möchte dazu Stellung beziehen und meine Meinung zu Gehör bringen. Ich möchte als Teil der Gesellschaft an diesen Prozessen aktiv beteiligt sein. Das finde ich wundervoll. Auch die Erfahrung, dass man sich einem solchen Thema, das vielleicht erstmal ganz erschreckend aussieht, auch durchaus nähern kann. Dass es Möglichkeiten gibt, sich einem solchen Thema zu bemächtigen. Es werden nachher immer viele Fragen übrig bleiben, aber das wird sich in den nächsten 50 Jahren für Sie auch nicht ändern.

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