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Votum der Diskursgruppe Troisdorf

Autor: Diskursgruppe Troisdorf

Votum

(Einleitung)

Wir haben uns 5 Tage in einer intensiven Arbeitsphase mit der Unterstützung des Projektteams und drei Experten, welche wir für einen Tag eingeladen haben, auf die Ausarbeitung unseres Votums vorbereitet. Zuerst wurden wir über die biologische und ethisch-rechtliche Seite informiert.

In verschiedenen Arbeitseinheiten wurde uns der Vorgang des therapeutischen und reproduktiven Klonens erklärt. Unsere Arbeit wurde von den hauseigenen und öffentlichen Journalisten begleitet und dokumentiert. Die Ergebnisse der Online-Zeitung und Berichte über den Diskurs werden spätestens bis zur Abschlussveranstaltung des Projektes am 21. Juni auf der Internetseite http://www.diskuslernen.de eingestellt.

 

(Def. therapeutisches Klonen)

Beim therapeutischen Klonen soll kein vollständiger Mensch erschaffen werden, sondern nur bestimmte Zelltypen, die kranke oder abgestorbene Zellen ersetzen sollen. Dadurch könnten z.B.: Diabetes-, Multiple Sklerose-, Parkinson- oder Herzinfarktpatienten behandelt werden. Der derzeitige Forschungsstand zeigt bereits erste Erfolge in Tierversuchen.

Dabei wird einer Spenderin, die sich hierzu mit Hormonen behandeln ließ , eine oder mehrere Eizellen entnommen und entkernt. Daraufhin wird dem kranken Menschen eine Zelle (z.B.: Hautzellen/ Knochenmarkszelle) entnommen und ebenfalls entkernt. Der entfernte Kern wird nun in die Eizelle eingepflanzt, reprogrammiert und durch einen Stromschlag aktiviert (die Zelle wird auf Embryostatus zurückgesetzt) und entwickelt sich zu einer Blastozyste, der kurz danach Stammzellen entnommen werden.

Diese Stammzellen werden in eine Nährlösung gegeben und vermehren sich. Es entstehen differenzierte Zellen (Herzzellen, Muskelzellen, Hautzellen, Knochenmarkzellen). Unbenötigte Zellen werden durch Einsatz von Chemikalien abgetötet. Die gezüchteten Zellen sollen später den Patienten eingespritzt werden, um das kranke Gewebe zu ersetzen.

Jedoch ist dieses Verfahren noch nicht ausgereift und könnte erst in ungefähr 10- 20 Jahren zur Heilung angewendet werden.

 

(reproduktives Klonen)

Beim reproduktiven Klonen wird die Blastozyste nicht abgetötet, sondern wieder in den Mutterleib eingepflanzt und von dieser ausgetragen. Es entsteht ein perfekter Klon des Zellkernspenders. Wobei auch diese Methode nicht ausgereift ist, da tierische Klone oft schon nach kurzer Zeit sterben (z.B. starb das Klonschaf Dolly verfrüht an Alterskrankheiten).

Des Weiteren wirft diese Methode starke ethische Probleme auf.

Unsere Gruppe spricht sich einstimmig für das therapeutische und bis auf einen Teilnehmer gegen das reproduktive Klonen aus. Das therapeutische Klonen darf nicht ins reproduktive Klonen übergehen.

Das reproduktive Klonen muss, der Mehrheit nach, verboten bleiben, da dies die Menschenwürde verletzen würde und der Klon sich eventuell nie als vollwertigen Menschen ansehen würde. Dies wird auch von einem Schüler mit seiner religiösen Einstellung begründet: „Man sollte nicht in das natürliche System eingreifen und Gott bei der Erschaffung der Menschen spielen dürfen. Es sollte vom Menschen unerforschte Dinge geben.“

Das therapeutische Klonen sollte erst dann gesetzlich erlaubt werden, wenn die nötige Sicherheit bzw. der notwendige Schutz vor dem reproduktiven Klonen gewährleistet ist, so dass keine Dammbruchgefahr besteht. Es sollten Gesetze beschlossen werden, die einem Missbrauch zuvorkommen.

Ein Schüler spricht sich auf Grund seiner Neugier für das reproduktive Verfahren aus. Jedoch hat er Bedenken bei dem Gedanken, dass das reproduktive Klonen zu anderen Zwecken (z.B. Schaffung des perfekten Menschen, Machtstreben) genutzt und dadurch missbraucht wird.

 

(Konfliktdarstellung; ethische Abwägung zum Embryonenschutz; Status & Rechtsposition des Embryos; Parallelen & Unterschied zur Abtreibungsdiskussion)

 

Viele Gruppenmitglieder stellen sich die Frage, ob das therapeutische Klonen die allgemeine Menschenwürde verletzt. Alle Teilnehmer des Diskurses sind sich nach Diskussion unterschiedlicher Positionen einig, wann das eigentliche „Menschsein“ beginnt und damit auch die Schutzwürdigkeit: Für die Teilnehmer unserer Gruppe beginnt diese unmittelbar nach der Einnistung der Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut. Erst mit der Einnistung ist die Entwicklung des Lebens größtenteils gewährleistet.

Jedoch sind wir alle der Meinung, dass das therapeutische Klonen die Würde des Embryos nicht angreift, weil diese mit dem Embryo wächst und mit einer Woche noch sehr gering ist.

Die Aussage, dass das Leben eines Embryos weniger Wert ist als das eines Menschen können wir jedoch auch nicht befürworten. Daher müssen wir eine Abwägung zwischen dem Wert des Embryos und den Heilungschancen für viele bereits geborene Menschen treffen. Man könnte eher sagen, dass es gerechtfertigt ist, die Weiterentwicklung einer Blastozyste und somit eines möglich werdenden Lebens abzubrechen, um eine höhere Heilungschance für das Leben vieler Erwachsener zu erlangen.

Durch das therapeutische Klonen kann man neue körpereigene Zellen gewinnen, die Patienten eingepflanzt werden können, ohne dass Abstoßungsreaktionen auftreten. Der Aspekt, dass bei dieser Therapie Embryonen absterben, ist für uns kein Grund, derartige Forschung an Therapieansätzen einzustellen bzw. zu verbieten. Ein weiterer Grund dafür ist, dass Embryonen für uns erst nach der Einnistung in die Gebärmutter als schutzwürdig gelten (s. Zeile 80 ff.).

Im Vergleich zu der derzeitig gültigen Abtreibungsregelung, hält es die Gruppe für ethisch vertretbar, auch das therapeutische Klonen bis zum Zeitpunkt der Einnistung (Nidation) rechtlich zu erlauben.

Bei dem Vorgang einer Abtreibung beispielsweise wird noch über die 22. Woche hinaus ein Fötus getötet, obwohl er außerhalb des Mutterleibs bereits als lebensfähig gilt und in manchen Fällen sogar lebend zur Welt kommt. Beim therapeutischen Klonen wird jedoch die Blastozyste verwendet. Dies geschieht vor der Nidation in die Gebärmutterschleimhaut.

 

(Hauptteil)

 

Um eine Stellungnahme beziehen zu können, ist es nötig auch die ethische und die negative Seite des therapeutischen Klonens darzustellen. Das dabei größte Risiko ist der so genannte Dammbruch vom therapeutischen zum reproduktiven Klonen. Wir sind der Meinung, man sollte parallel zum therapeutischen Klonen auch alternative Möglichkeiten in Betracht ziehen (s.u.).

 

Das gewichtigste Argument bei einer möglichen Therapie ist das Heilen bisher unheilbarer Krankheiten. Somit sind wir uns alle einig, dass das Therapeutische Klonen weiterhin erforscht werden sollte, mit der Zielsetzung die Genesung bisher unheilbarer Krankheiten herbeizuführen. Um dies durchzuführen, müssen grundlegende Gesetzesänderungen vorgenommen werden.

Unserer Meinung nach sollte das therapeutische Klonen erlaubt werden, da wir es als wichtiger empfinden Menschen mit Hilfe dieser Therapie zu einer Heilung zu verhelfen. Die Eizellen, die aus früheren künstlichen Befruchtungen übrig geblieben sind, könnte man hierfür verwenden. Wir geraten durch die Verwendung dieser Eizellen nicht in einen ethischen Konflikt, denn die Eizellen würden ohnehin keinen anderen Nutzen haben und weggeworfen werden. Wir würden auch soweit gehen, Eizellspenderinnen zu akzeptieren, allerdings unter bestimmten Bedingungen. Zunächst müssen die Spenderinnen volljährig und gebärfähig sein, außerdem sollten sie noch nicht in den Wechseljahren sein. Eine weitere wichtige Bedingung ist die Aufklärung über die Risiken (z.B. der Hormonbehandlung und Entnahme), die Einwilligung der Spenderin sowie ihre psychische und physische Stabilität. Diese Voraussetzungen sollten durch gewissenhafte, strenge Kontrollen unter Beobachtung von qualifizierten Psychologen und Medizinern überprüft werden.

Um einem Missbrauch entgegenzuwirken und vorzubeugen sollte keine Bezahlung an die Eizellspenderin geleistet werden, da sozial benachteiligte Frauen durch „Ausbeuter“ ausgenutzt werden könnten, um ihre finanzielle Situation zu verbessern.

Ein weiterer Aspekt, welcher beachtet werden sollte, sind die Unterschiede zwischen embryonalen und adulten Stammzellen.

Die Vorteile von embryonalen Stammzellen sind ihre hohe Vermehrungsrate und ihre Pluripotenz (Das bedeutet, dass sie jedes beliebige Gewebe bilden können). Adulte Stammzellen sind dagegen schwer zu isolieren und haben nach dem jetzigen Forschungsstand nicht die Eigenschaft ein beliebiges Gewebe zu bilden. Hinzu kommt, dass sie schwer zu kultivieren sind. Jedoch spricht ihre ethische Vertretbarkeit für sie.

 

Die Gruppe ist der Auffassung, dass neben dem therapeutischen Klonen auch an weiteren Alternativen geforscht und diese ebenfalls gefördert werden sollten. Wir haben durch die Experten-Befragung von Frau Dr. Tanja Schmandt erfahren, dass es neben dem therapeutischen Klonen vier bisher noch nicht ganz erforschte Alternativen gibt. Diese Alternativen haben den Vorteil ohne gespendete Eizellen auszukommen, so dass keine ethischen Probleme entstehen.

Es könnten embryonale Stammzellen zu Eizellen umgewandelt werden,

um anschließend durch Fusion mit spezialisierten Zellen (z.B.: Hautzellen) zu einer von dem Patienten benötigten Zelle entwickelt zu werden.

Die folgenden zwei Alternativen kommen sogar ohne die Verwendung eines Embryos aus, wie zum Beispiel der Versuch aus spezialisierten Zellen wieder embryonale Stammzellen zu gewinnen oder aus Stammzellen Spermien zu entwickeln, die ähnliche Potenziale wie embryonale Stammzellen haben sollen.

 

(Schluss und Empfehlungen)

Nach den zahlreichen und informativen Erklärungen sowie Beispielen, die auf den Bereichen Ethik und Biologie zum therapeutischen sowie reproduktiven Klonen basierten, sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass das therapeutische Klonen und seine dazu benötigten Forschungen sinnvoll sind und dass das therapeutische Klonen weiter erforscht werden sollte.

Wir sind als Gruppe dafür, die aktuelle Gesetzgebung in Deutschland so zu ändern, dass das therapeutische Klonen erlaubt, allerdings auch vor Missbrauch geschützt werden sollte.

 

Die Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Troisdorf:

Ali A., Nils C., Helena D., Felix D., Vanessa F., Erdem K., Monika K., Valentina O. Beriwan O., Dennis P., Felizitas R., Melanie R., Eva R., Florida Rr. , Katharina S., Nicole W.

 

Kasten: Das Projekt diskurslernen Streitfall Therapeutisches Klonen

Zur Leitfrage: Welche Regelungen zum therapeutischen Klonen empfehlen Sie für Deutschland?“ erarbeiteten 16 Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Troisdorf vom 03. bis 07. April 2006 im Rahmen des Projektes diskurslernen Streitfall Therapeutisches Klonen


Dieses Votum wurde veröffentlicht durch:

Gesamtschule Troisdorf
Am Bergeracker 31
53842 Troisdorf

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E-Mail: homepage@gesamtschule-troisdorf.de

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